Samstag , 21. April 2018
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Netflix: Dank starker Quartalszahlen auf dem Sprung zum wertvollsten Medienkonzern der Welt

Netflix: Dank starker Quartalszahlen auf dem Sprung zum wertvollsten Medienkonzern der Welt

„The Crown“, „Dark“, „Stranger Hits“, „House of Cards“: Die Liste der Netflix-Serienhits ist schier endlos. Die vielleicht beste Story aber liefert der Streaming-Anbieter selbst: Netflix ist eine der bemerkenswertesten Erfolgsgeschichten der Internet-Ära, die scheinbar keine Wachstumsgrenzen kennt, wie die neuen Quartalszahlen beweisen.

Die Kurszuwächse sind überschaubar: In einem Börsenjahr, in dem Aktienmärkte hierzulande um 4 Prozent hinten liegen (Dax) oder jenseits des Atlantiks ums Plus kämpfen (Dow Jones – 0,5 Prozent), gibt es tatsächlich eine Aktie, die seit Jahresbeginn bereits um unfassbare 61 Prozent zugelegt hat.

Netflix heißt der Börsenstar, wieder einmal. Bereits in den vergangenen Jahren hat der Internetpionier astronomische Kurszuwächse verbucht – nun folgt die massive Aufwertung des Börsenwertes. Um enorme 55 Milliarden Dollar ist der Streaming-Anbieter nach gerade einmal dreieinhalb Monaten wertvoller als noch zu Jahresbeginn.

Lohn der massiven Kursrally: Mit einer Marktkapitalisierung von 140 Milliarden Dollar hat der Internetanbieter nach dem Börsenwert bis auf 10 Milliarden Dollar auf den schier ewigen Branchenprimus der Medienindustrie aufgeschlossen – Disney. Bewegt sich die Netflix-Aktie weiter entsprechend dynamisch, könnte die Wachablösung nur noch eine Frage der Zeit sein. Der Wechsel an der Spitze stünde symbolträchtig für den Paradigmenwechsel zwischen alten und neuen Medien.

Dabei deutete vor 20 Jahren tatsächlich noch nichts darauf hin, dass Netflix zu einem der größten Medien-Imperien des 21. Jahrhunderts würde aufsteigen können: Das von Reed Hastings 1997 gegründete US-Unternehmen begann als DVD-Versender und forderte den vermeintlich übermächtigen Platzhirsch Blockbuster heraus.

Netflix reports after the bell. They turned 20 over the weekend. Imagine someone telling you this was the future of entertainment in 1999. $NFLX pic.twitter.com/EDEWg47bh2

— StockTwits (@StockTwits) 16. April 2018

Mit der Verbreitung des Breitband-Internets wagte Hastings 2007 dann den großen Paradigmenwechsel, den andere Medien verschlafen hatten: Die Zukunft der Film- und Fernsehindustrie lag im Internet. Dem Geschäftsmodell liegt die Annahme zugrunde, dass sich immer mehr Menschen Selbstbestimmung wünschen, wann und wie sie welche Filme sehen wollen – das klassische TV-Modell mit festen Fernsehzeiten und Werbeunterbrechungen hat ausgedient.

Geld verdient Netflix ausschließlich über sein Abo-Modell: Bereits für 8 Euro im Monat bekommen Kunden in Deutschland, wo der amerikanische Streaming-Dienst seit September 2014 vertreten ist, Zugang zur Netflix-Welt – und damit zu rund 2500 Filmen und 300 Serien, die größtenteils zweisprachig und mit Untertiteln erhältlich sind.

Regelrecht zum Kult („Netflix and Chill“) avancierte Netflix jedoch durch das größte Wagnis in der knapp zwanzigjährigen Firmenhistorie: Um einen unverwechselbaren Charakter zu bekommen, entschied sich Reed Hastings für massive Investition in eigene Inhalte (Original Content).

Den Anfang machte vor 2012 der bis heute größte Erfolg: „House of Cards“ um den korrupten US-Politiker Frank Underwood, der es mit seiner skrupellosen Art bis ins Weiße Haus schafft und Zuschauer durch einen direkt an sie gerichteten Erzählstil in den Bann zieht. 100 Millionen Dollar investierte Netflix allein in die erste Staffel, für die die Hollywood-Stars Kevin Spacey und Robin Wright verpflichtet wurden.

Die Wette ging auf: „House of Cards“ räumte nicht nur zahlreiche Preise ab, die bis dato der klassischen TV-Industrie vorbehalten waren, sondern lockte auch scharenweise neue Zuschauer an. Tatsächlich war das Politdrama nur der Anfang: Bis heute sind allein über 60 eigene US-Serienproduktionen auf Netflix zu sehen – darunter so beliebte Serien wie „Orange is the new Black“, „Bloodline“, Narcos“ oder „Jessica Jones“.

In diesem Jahr expandiert Netflix auch international in immer größerem Stil: Für Eigenproduktionen wendet CEO Reed Hastings 2018 enorme 8 Milliarden Dollar auf. Dafür wächst Netflix’ Inhalte-Angebot in gigantische Ausmaße. Bis Ende des Jahres will der Streaming-Video-Dienst seinem immer größeren Kundenstamm bereits 700 Eigenproduktionen anbieten – darunter auch zahlreiche internationale Angebote (wie der deutsche Serienhit “Dark”),  ca. 80 eigene Filmproduktionen, zahlreiche Dokumentationen und neue Formate wie Interview-Reihe mit David Letterman.

Das massive Content-Investment, das Netflix u.a. mit einer Verschuldung von mehr 4 Milliarden Dollar finanziert, hat sich ausgezahlt: Mit inzwischen 125 Millionen Abonnenten in mehr als 190 Ländern, die täglich über 140 Millionen Stunden Filme und TV-Serien genießen, ist Netflix längst der größte Internet-TV-Anbieter weltweit.

„Ich glaube, dass Netflix die neue Kabelgesellschaft der Welt wird“, adelte CNBC-Marktkommentator James Cramer den Internetpionier bereits vor Jahren. Heute wird immer klarer, wie prophetisch Cramers Einschätzung tatsächlich war. Nach Handelsschluss an der Wall Street unterstrich der Streaming-Videodienst einmal mehr sein unwiderstehliches Wachstum: Im abgelaufenen März-Quartal konnte Netflix erneut die Analystenschätzung deutlich überbieten.

Zwischen Anfang Januar und Ende März konnte CEO Reed Hastings nicht nur mit 7,4 Millionen neuen Abonnenten den zweitstärksten Kundenzuwachs verbuchen, sondern gleichzeitig mit 3,7 Milliarden Dollar die höchsten Umsätze der Konzerngeschichte. Vor einem Jahr hatte Netflix noch fast eine Milliarde weniger erlöst.

Noch positiver: Das Umsatzwachstum hat sich weiter beschleunigt und sich mit einem Plus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum so dynamisch entwickelt wie noch nie. Gleichzeitig beginnt Netflix, sein rasantes Wachstum zu monetisieren: Das 21 Jahre alte US-Unternehmen erzielte mit einem Konzernergebnis von 290 Millionen Dollar den größten Gewinne der Firmengeschichte.

Und im nächsten Quartal soll es noch besser werden: CEO Reed Hastings prognostizierte im Ausblick auf den laufenden Dreimonatszeitraum bei Umsätzen von 3,9 Milliarden Dollar einen Gewinn von 358 Millionen Dollar.

Entsprechend groß war die Euphorie auch nach Handelsschluss: Die heißgelaufene Netflix-Aktie verteuerte sich im nachbörslichen Handel um weitere 5 Prozent auf 325 Dollar. Damit hat Netflix nicht nur sein jüngstes Allzeithoch von Anfang März wieder im Blick, sondern sogar den langjährigen Branchenprimus Disney, der im nächsten Jahr seinen eigenen Streaming-Dienst starten will,  nach dem Börsenwert.

Ganze 7 Prozent fehlen noch zur historischen Wachablösung zwischen dem Vorzeige-Medien-Unternehmen der Internet-Ära und dem Aushängeschild des Hollywoods des 20. Jahrhunderts. Spätestens dann wäre es an der Zeit, dass Netflix sein immer größeres Kontingent an Original Content um einen weiteren Serienhit erweitert: eine Doku über seine eigene Erfolgsstory.

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