Dienstag , 27. Juni 2017
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Yahoo - Chefin ohne Courage

Chefin ohne Courage

Eine unrühmliche Amtszeit erreicht ihr unrühmliches Finale. Kurz vor Ende von Yahoos Unabhängigkeit brachte das Establishment um Marissa Mayer keinen Mut auf, sich den Fragen der Öffentlichkeit zu stellen. Fragen nach dem größten Datenleck der Technologie-Geschichte beispielsweise, bei dem Accounts von 500 Millionen Yahoo-Nutzern ausgespäht wurden, inklusive verschlüsselter Passwörter.

Fragen nach der Spionagetätigkeit für den US-Nachrichtendienst NSA, für den der Internetpionier eigene Schnüffelsoftware angefertigt und Millionen Nutzer bespitzelt hatte. Fragen nach dem fragilen und möglicherweise neu zu verhandelnden Deal mit Telekommunikationskonzern Verizon. Fragen auch nach Mayers eigener Zukunft.

Doch in diesem so entscheidenden Moment für ihre Firma blieb die -Chefin stumm. Das stets an die Quartalsergebnisse anschließende Gespräch mit Investoren hatte sie mit Verweis auf die Übernahmeverhandlungen abgesagt. Die 41-Jährige ließ nur schriftlich mitteilen, das Unternehmen fühle eine “große Verantwortung”, seine Nutzer zu schützen und auch die Sicherheit ihrer Informationen.

Die gescheiterte Geschäftsführerin muss den Schein wahren. Schließlich will sie Yahoos Kerngeschäft immer noch für 4,8 Milliarden Dollar verkaufen. Nach Bekanntwerden der jüngsten Skandale hatte Verizon bereits angedeutet, den Deal neu verhandeln und weniger zahlen zu wollen als zunächst veranschlagt. Dem hatte Mayer eine Absage erteilt.Sie nutzte auch an diesem Tag die Gelegenheit, ihre Haltung zu unterstreichen. “Wir bereiten uns weiter auf eine Integration mit Verizon vor”, ließ Mayer erklären. “Wir bleiben zuversichtlich und vertrauen nicht nur in den Wert unseres Geschäfts, sondern auch in den Wert, den Yahoos Produkte in das Leben unserer Nutzer bringen.”

Ergebnis eines radikalen Sparkurses

Die aktuellen Quartalszahlen rechtfertigen solches Selbstbewusstsein nicht. Zwar stiegen Yahoos Gewinne auf 163 Millionen Dollar oder 17 Cent pro Aktie, Experten hatten nur mit 14 Cent gerechnet. Doch das ist nur Ergebnis eines radikalen Sparkurses. Vergangenes Jahr hatte die Firma 20 Prozent der Mitarbeiter entlassen.

Der Umsatz im wichtigen Kerngeschäft mit Werbung befindet sich nach wie vor auf Talfahrt. Er fiel um 14 Prozent auf 857 Millionen Dollar nach Abzug aller Zahlungen an Yahoos Werbepartner. Erst im vergangenen Quartal war dieser Wert um 15 Prozent gesunken. Und die Prognosen der Analysten für die Zukunft von Yahoos Werbegeschäft fallen ebenfalls negativ aus.
Laut eMarketer wird der Konzern bis Ende dieses Jahres nur noch 1,5 Prozent des weltweiten Geschäfts mit digitalen Werbeformaten besetzen. Verglichen mit anderen Anbietern fällt das einst mit Bannerwerbung groß gewordene Yahoo immer weiter zurück. Google besitzt inzwischen 30,9 Prozent dieses Marktes.

Besonders dramatisch sieht es im wichtigen Geschäft mit mobiler Werbung aus. Hier wird Yahoo bis Ende 2016 einen Marktanteil von 1,2 Prozent besetzen, Google hingegen 34,5 Prozent und Facebook 20,2 Prozent.

Mayer wird alles tun, um den Deal mit dem Telekommunikationskonzern zu retten. Verizon-Vertreter Craig Silliman hat die Konzernchefin bereits aufgefordert, zu belegen, dass das massive Datenproblem sich nicht negativ auf den Unternehmenswert auswirkt. Den Beweis dafür bleibt die Yahoo-Chefin allerdings nach wie vor schuldig.

Ein Kommentar

  1. 500 Millionen Nutzer wurden ausgespäht, und dafür muss sich jemand rechtfertigen?

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